Samstag, 5. Januar 2008

URBANES

In den langen Lesenächten
Lernte ich die Menschen lieben.
Morgens in den U-Bahnschächten
Ist mir davon nichts geblieben.
*
Fremde Gesichter, Laute, Kleider
Lieb' ich als guter Mensch - doch leider:
Auf manchen Plätzen und an manchen Tagen
Schlägt mir die Mischung auf den Magen.
*
Wer auf zwei Beinen durch die Stadt geht,
Muss jeden Hochmut von sich streifen,
Weil für jeden Radler feststeht:
Er ist stärker auf zwei Reifen.
*
Wenn ich saß in Bahn und Bus,
wurde ich nie wahrgenommen.
Damit ist jetzt endlich Schluß,
Seit ein Handy ich bekommen.

HEIMAT.
Wien, Du Stadt meiner Träume,
Hast mich schon lang in Gewalt.
Fand in Dir viele Bäume,
Doch leider nie den Wald.

REALITY.
Die Jennifer vom Rennbahnweg
Biß sich einen Eckzahn weg,
Der Kevin von der Nachbarstiege
Schimpft sie hochdeutsch: "Dumme Ziege".
Für Nichtwiener: "Rennbahnweg" ist eine riesige
Wohnblocksiedlung ("Platte") am nördlichen Stadtrand von Wien.


BERLIN-REVUE.
Meine Loge ist die S-Bahn
Und Berlin liegt da als Bühne.
Längst ist abgesetzt vom Spielplan
Die Moritat von Schuld und Sühne.

WESTWIND.
Bekümmert spürt der Gast aus Wien:
Was der Stadt den Duft verlieh'n,
Berliner Luft ist nun dahin.
Berlin bleibt nicht Berlin.

BERLIN.
Berliner Luft
Hat einst mich geködert,
Sie ist verpufft,
Seit es verschrödert.
(konnte auch durch Angie nicht mehr restauriert werden…)

METROPOLITAIN.
Schwarz und Weiß sind untertage
und tagsüber gut vermengt,
später die Gemengelage
wieder auseinander drängt.

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